Qualitätsvolle Zeitreise durch den Jazz

Bigband Bad Saulgau feiert musikalisch

VON KARLHEINZ FAHLBUSCH

Bad Saulgau – Das war nun wirklich ein Konzert der Extraklasse. Was die „Bigband Bad Saulgau“ am Samstagabend im voll besetzten Stadtforum geboten hat, das war für die Jazz-Liebhaber aus ganz Oberschwaben ein gigantisches Erlebnis. Zu den Vorbereitungen hatte sich Band-Leader Hans Georg Rimmele auch diesmal professionelle Unterstützung von Musikern der SWR Big Band geholt. Dass die Proben sich gelohnt haben, das konnte man schon nach den ersten Takten feststellen. Das Stadtforum begann zu swingen und die Band öffnete ihre „Wundertüte“. Unter diesem Titel stand das Konzert zum 30-jährigen Bestehen. Im Gegensatz zu einer Wundertüte vom Jahrmarkt, wo man nicht weiß, was drin ist und es oft Enttäuschungen gibt, erlebten die Zuhörer hier nur Positives. Es war eine Wundertüte der Musikalität, die hier geöffnet wurde und der ganz bestimmt alle ihre helle Freude hatten.
In den 70er-Jahren haben Hans Georg Rimmele (damals hieß der heute 72 Jahre alte Ausnahmemusiker noch „Hansi“) und einige Gleichgesinnte die Schwaaz Veres Jazz Gang gegründet. Und sie hatten großen Erfolg. Unvergessen sind Dixie-Feste beim „Haag-Willi“ in Hüttenreute. So mancher Rockfan entdeckte da seine Liebe zum Jazz. Aus der Band heraus entstand dann der Jazzverein Bad Saulgau. Dessen kontinuierliche Arbeit hat dazu geführt, dass Bad Saulgau die „Jazzhochburg“ im Landkreis Sigmaringen geworden ist mit einer Big Band, mehreren Combos und meist gut besuchten Veranstaltungen im Jazzkeller oder auch in der Werkshalle Zollern in Herbertingen. Das absolute Aushängeschild ist aber sicher die Bigband. Und warum das so ist, das wurde am Samstagabend einmal mehr deutlich: Da ist wirklich Musik drin. Und das in jedem der 20 Musikerinnen und Musikern, die sich von Altmeister Rimmele an Klarinette und Saxophon immer wieder zu Höchstleistungen führen lassen.

Ob bei Klassikern wie „Basie straight ahead“, „Strike the Band“ oder „All of me“, da ist die Perfektion unüberhörbar und jedes Register verfügt über Solisten, die bei vielen Stücken dann noch das berühmte „I-Tüpfelchen“ bilden, das fehlt, um das Publikum vollends in den Jazz-Himmel zu entführen. Und wer nicht „On the sunny side of the street“ unterwegs war, der hat sowieso etwas verpasst. Und wenn wir schon dabei sind: Einen Moderator wie Michael Stephan, der eigentlich Posaunist ist und auch noch Professor, den kann wohl nicht jede Band vorweisen. Dieses Jahr kam er in knallgelben Turnschuhen auf die Bühne (die vielen Badener im Publikum haben es ihm schmunzelnd verziehen, denn er ist kein „Gelbfüßler“) und führte charmant durchs Programm. Diesmal ließ er auch einige Musiker zu Wort kommen, die Anekdoten aus 30 Jahren Bandgeschichte präsentierten. Und das vollkommen nüchtern, obwohl der Alkohol in den drei Jahrzehnten nicht immer verpönt war. Zum Geburtstagskonzert hatte Landrätin Stefanie Bürkle schon mal einige Bierflaschen hinter die Bühne gestellt. Ansonsten war sie ganz privat da und hatte viel Spaß am Konzert. „Das ist für mich das reine Vergnügen“, bekannte sie gegenüber dem SÜDKURIER.
Und das reine Vergnügen war es auch für das Publikum. Dass Sängerin Michaela Rust trotz Grippe die Band nicht im Stich gelassen hat, das muss man ihr hoch anrechnen. Und ehrlich gesagt: Diese Stimme hätte wirklich gefehlt. Ihr „Fever“ war erste Sahne. Es war ein Abend mit einem vielfältigen Programm von Latin bis Swing, das eigentlich keine Wünsche offen gelassen hat. Doch halt! So ganz stimmt das nicht. Einen großen Wunsch haben die Jazz-Fans: Bitte wieder so ein wunderbares ein Konzert im kommenden Jahr.